Wer stirbt nach dem Genitiv?

2015-10-02 17.05.03ParkschildEr ist ja schon länger tot, der Genitiv, jetzt geht’s munter weiter: Neulich war ich in unserer schönen hessischen Kleinstadt unterwegs. In einer Seitenstraße der Fußgängerzone. Da hängt ein blaues Spielstraßenschild und darunter steht: „Parken nur in den gekennzeichneten Flächen erlaubt.“ Ach wie schade, dachte ich, wenn überall sonst parken verboten ist, kann ich mein Auto wohl nicht mehr in der Stadt stehen lassen.

Im Radio höre ich sehr häufig den Satz: „In einer ersten Stellungnahme…“ Übrigens nicht nur im bayerischen Rundfunk, ich habe ihn sogar schon in den Tagesthemen gehört. Er wird gerade gefühlt Mainstream, entweder weil das Wort „vorläufig“ verboten wurde – was an mir vorbeigegangen ist – oder weil niemand mehr zählen kann. Vielleicht wurde ja auch wieder eine neue Regel eingeführt und das geht jetzt so: erstens, erstens, erstens, viertens, fünftens?

Wegen dem Schild in der Stadt habe ich schon überlegt, ob ich mich noch mal mit der Quantenphysik beschäftigen sollte. Denn wie man heute weiß, sind viele Dinge ja nicht nur an einem Ort (zu einer bestimmten Zeit), sondern an mehreren gleichzeitig. Vielleicht ist es ja so, dass eine Fläche entgegen der allgemeinen Definition doch gleichzeitig Höhe, also eine dritte Dimension, hat. Und vielleicht ist der sich daraus ergebende Raum doch so groß, dass man ein Auto hineinquetschen könnte, wenn man nur schnell genug führe und die Masse seines Autos so weit verringern könnte, dass nicht mehr definiert wäre, ob es jetzt da ist oder nicht?

Das wäre allerdings auch keine Lösung, denn dann könnte man ja erstens nicht mehr aussteigen, wegen der hohen Geschwindigkeit, und erstens nicht mehr einkaufen, wegen der zusätzlichen Masse. Aber fünftens hätte man dann wieder Ordnung ins System gebracht. Oder?

 

Zu viel Politik und zu wenig Organisation: Potenzial von Corporate Blogs wird oft nicht ausgeschöpft

Jochen Mai hat vor kurzem die Blogs aller DAX-30-Konzerne sowie besonders erfolgreiche oder prämierte deutsche Blogs untersucht. Die Ergebnisse sind sehr interessant und stehen hier zum Download zur Verfügung. Demnach wird das Potenzial von Blogs häufig nicht durch Unwissenheit oder mangelnde Ressourcen verschenkt, sondern auch durch organisatorische Mängel oder interne Politik. Da diese Themen relativ selten diskutiert werden, möchte ich sie hier aufgreifen.

1. Autoren antworten nicht schnell genug auf Kommentare. In der Studie wird bemängelt, dass viele Autoren nicht automatisch über Kommentare benachrichtigt werden, so dass eine zeitnahe Interaktion mit dem Leser unmöglich ist. Häufig kommt es aber auch deshalb zu Verzögerungen, weil die Antwort auf einen Kommentar vor der Veröffentlichung auch noch einmal abgestimmt werden muss, entweder mit dem Vorgesetzten oder mit der Kommunikationsabteilung. Das kostet Zeit und geht im Tagesgeschäft oft unter, da der Blog auf der Prioritätenliste Continue reading “Zu viel Politik und zu wenig Organisation: Potenzial von Corporate Blogs wird oft nicht ausgeschöpft”

In Zukunft selbst? – Der Unternehmensblog

Die Medienlandschaft verändert sich, das wissen wir inzwischen alle. Die erste Welle des IT-Mediensterbens (2002, 2003) war noch durch ein zeitlich begrenztes konjunkturelles Tief bedingt, dieses Mal wird es fundamentaler. Jeder Verlag sucht verzweifelt nach neuen Geschäftsmodellen und die meisten steigen vom Anzeigenverkauf auf Leadgenerierung um. Im Moment mag das noch ganz gut funktionieren, aber ich bin mir nicht sicher, wie lange. Viele Verlage steigen da gerade erst ein, während der Leser meiner Meinung nach schon wieder ganz woanders ist.

In einer Print-Publikation (für die er zahlt) hat er die Wahl, ob er eine Anzeige liest oder nicht. Online ist das anders: In Videos eingebettete Anzeigen kann man nicht wegklicken und ich glaube fest daran, dass sie die Meinung über eine Marke in erster Linie verschlechtern. Sie sind nicht erbeten und werden als notwendiges Übel wahrgenommen. Der Effekt ist die Verknüpfung negativer Gefühle mit dem breit eingeblendeten Markennamen. Super. Im besseren Fall werden im Kopf des Zuschauers zu Beginn der Werbung sofort alle zur Verfügung stehenden Wahrnehmungsfilter aktiviert, die dafür sorgen, dass die Inhalte der Anzeige links rein und rechts raus gehen.

Im Bereich Lead-Generierung könnte etwas ähnliches passieren: Der Preis, den ich für das Lesen eines möglicherweise wirklich guten Whitepapers zahle, ist zum Beispiel ein unerfreuliches Telefongespräch. Darin muss ich erklären, dass ich in den nächsten 1.000 Jahren keine Cloud-Lösung kaufen werde, sondern dass mich das Ganze nur so (natürlich beruflich) interessiert. Es könnte ja sein, dass Menschen wie ich, die sich für IT-Lösungen im großen Stil interessieren, aber leider keine kaufen, in Zukunft gar keinen Zugang mehr zu solchen Informationen bekommen, weil sie auf der “Leadgernerierungs-Blacklist” landen. Düstere Vorstellung: Wenn etwas zu teuer ist, als dass ich es kaufen könnte oder würde, bekomme ich in Zukunft auch keine Informationen mehr darüber.

Wenn die Marketingaktivitäten zur Generierung von Leads in den nächsten Monaten und Jahren massiv aufgrund der sinkenden Anzeigeneinnahmen zunehmen, ist absehbar, wann niemand mehr freiwillig ein Whitepaper herunterlädt oder irgendwo freiwillig seine E-Mail-Adresse hinterlässt. Die Folgen sind heute schon nervig und werden in Zukunft wahrscheinlich noch nerviger. Und für die Medien heißt das erneut: Wieder eine Umsatzquelle weniger.

Aufgrund des Mediensterbens wird der verfügbare “Platz” begrenzter (trotz online, denn es fehlt an Redakteuren). Die Anzahl an Unternehmen, die Pressearbeit machen, nimmt aber nicht ab, sondern zu. Mit anderen Worten: Der Konkurrenzdruck steigt und die Erfolgsaussichten sinken.

Man muss aber heutzutage nicht mehr unbedingt über Medien publizieren. Die Alternative ist ein guter eigener Unternehmensblog, in dem man die Inhalte selbst bestimmen kann. Letzteres verführt die Verantwortlichen immer ungemein dazu, hauptsächlich Marketing zu betreiben. Aber das strafen die Leser in der Regel sehr schnell ab, nämlich indem sie nicht wieder kommen. Und damit ist die Reichweite dahin.

Apropos Reichweite: Die ist im Moment natürlich noch das große Manko von Unternehmensblogs, weil Medien einfach eine viel höhere Reichweite haben. Allein schon wegen der ihnen zugesprochenen “Neutralität” und “Richtigkeit der Informationen”. Blogleser rechnen damit auf Unternehmensseiten wenig sachliche, sondern hauptsächlich Marketing-Information zu finden. Aber diesem Vorurteil kann man entgegen wirken (siehe oben) und mit der erzielten Reichweite auf jeden Fall sicher sein, so gut wie keine Streuverluste zu haben. Denn im Gegensatz zu Werbung, die zum Kunden “gepusht” wird, lesen Blogleser freiwillig. Das macht einen großen Unterschied in der Wirkung: Was ich freiwillig lese, bleibt viel mehr hängen als etwas, was ich lesen oder anschauen muss, weil ich keine andere Wahl habe.

Die Leser würden meiner Meinung nach von solchen Blogs übrigens doppelt profitieren. Sie hätten die Möglichkeit an fachlich fundierte Informationen zu kommen, ohne Gefahr zu laufen, eine Cloud-Lösung dafür kaufen zu müssen. Darüber hinaus können sie  werbefrei (also anzeigenfrei) den Beitrag genießen. Das wäre doch ein echter USP für einen wirklich guten Unternehmensblog, oder? Das alles gilt natürlich nur, solange Unternehmen nicht in die Unart verfallen, nur noch registrierte Leser zuzulasssen, um sie anschließend mit Werbemails zu überschütten.

Ich gebe zu, dass die Zeit für den Unternehmensblog als eines der Hauptkommunikations-Instrumente wahrscheinlich noch nicht  gekommen ist, zumindest nicht im BtoB-Bereich. Denn noch gibt es eine breite Medienlandschaft. Sie wird allerdings täglich dünner. Deshalb sollte man schleunigst zusehen, einen guten Blog aufzubauen, auch um noch ein bisschen Zeit zum Lernen zu haben. Zum Beispiel, wie man ein Unternehmen überhaupt fit macht zum bloggen, eine Autorengemeinde aufbaut und die Zielrichtung des Blogs erhält. Alles Dinge, die Medien können. Aber wer jetzt anfängt, hat auf jeden Fall einen guten Vorsprung, denn noch gibt es nur wenige gute Blogs im IT-B2B-Bereich und es ist noch relativ einfach, “positiv aufzufallen”.

Zeitverschwendung am Arbeitsplatz 3.0

Womit verbringen wir eigentlich den Arbeitstag? Timedoctor hat interessante Fakten ermittelt und in einer Infografik zusammengefasst. Demnach verursacht privates Surfen im Büro rund 40 Prozent Produktivitätsverlust. Man kann natürlich diskutieren, ob bestimmte Aktivitäten unter die Kategorie “Zeitverschwendung” fallen, oder doch zum eigentlichen Job gehören.

Time Management Software
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via Wasted Time at Work Infographic | Productivity losses in the Workplace | Biz 3.0.