Harte Bezahlschranke für Online-Zeitungen selten

Um langfristig Qualitätsjournalismus auch im Internet anbieten zu können, setzen immer mehr Zeitungen in Deutschland auf Bezahlschranken. Insgesamt sind das laut dem Bundesverband deutscher Zeitungsverelger insgesamt 103, von denen aber nur sehr wenige  eine harte Bezahlschranke eingeführt haben, bei der für den gesamten Online-Inhalt bezahlt werden muss. Die Mehrheit generiert Umsatz über ein Freemium-Modell, bei dem nur Inhalte kostenpflichtig sind, die aus Sicht des Zeitungshauses sehr exklusiv beziehungsweise nutzwertig sind, beispielsweise, weil es sie woanders nicht kostenlos gibt.

 

Infografik: Über 100 deutsche Zeitungen mit Paid-Content | Statista

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Beim Metered Model, das zum Beispiel die Welt verfolgt, erhält der Leser eine bestimmte Anzahl eigentlich kostenpflichtiger Inhalte kostenlos. So kann er sich ein Bild von der Qualität der Inhalte machen, die ihn interessieren. Nach Ausschöpfung des Kontingents wird er meistens zur kostenfreien Registrierung aufgerufen, die ein zusätzliches Freikontingent beinhaltet. Erst danach fordert ihn der Seitenbetreiber zum Kauf eines kostenpflichtigen Abonnements auf. Einen Sonderweg hat die TAZ eingeschlagen, die es ihren Lesern freistellt, ob sie für einen Artikel etwas bezahlen wollen oder nicht.

Beim kostenlosen Onlinemagazin Tablet mit Sitz in New York City gibt eine ganz eigene Art von Bezahlschranke. Das Magazin wird von der gemeinnützigen jüdischen Organisation Nextbook finanziert und hat Probleme mit Antisemiten, die sehr gern Kommentare abgegben. Deshalb greift die Redaktion zu einem ungewöhnlichen Mittel: Wer etwas kommentieren will, muss zahlen – zwei Dollar am Tag, 18 Dollar im Monat oder 180 im Jahr. Das Internet leiste Erstaunliches, aber es fordere auch die zivilisierte und konstruktive Diskussion heraus, was destruktiven – und oft anonymen – Personen freie Hand gebe, begründet Chefredakteurin Alana Newhouse den Schritt. Statt die Leserkommentare einzustellen, hätten sie und ihre Kollegen sich für die Gebühr entschieden – bei einem Magazin, das es sonst zum Nulltarif gibt.